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Was hindert uns daran, gesund zu leben?

Vorbeugen ist besser als heilen. Das wissen die allermeisten Menschen. Doch kaum etwas fällt so schwer, wie den eigenen Lebensstil langfristig zu verändern
von Julia Rudorf, 07.08.2017

Vorhaben Fitness: Sport steht bei Männern auf Platz eins der guten Vorsätze

W&B/Philipp Nemenz

Wenn das Jahr zur Hälf­te vergangen ist, ist es für viele gute Vorsätze schon längst aus und vorbei. Nur jeder zweite davon erlebt Umfragen zufolge die Jahres-Halbzeit, von allen anderen hat man sich ­bereits verabschiedet. Weniger Stress, gesündere Ernährung, weniger Alkohol, keine Zigaretten mehr. Viele Menschen in Deutschland würden gerne ihr Leben ändern – der Gesundheit zuliebe.

"Die meisten wissen ja eigentlich, was gut für sie ist", sagt Professor Burkhard Weisser vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Kiel. Doch bei Weitem nicht jeder verhält sich auch dementsprechend. Dabei gäbe es viele gute Gründe, die Vorsätze in die Tat umzusetzen.

45 Prozent der Deutschen legen großen Wert auf gesundes Essen. Doch über die Hälfte sagt, sie hätten im Alltag dafür zu wenig Zeit.
Quelle: Ernährungsstudie 2017 der Techniker Krankenkasse

23 Prozent aller Männer nehmen sich vor, etwas für ihre Fitness zu tun. Damit steht Sport bei Männern auf Platz eins der guten Vorsätze.
Quelle: Umfrage Wort & Bild Verlag 2016

10 Millionen Deutsche sind Mitglied in einem Fitness-Studio – ein Rekord. Zugleich ist mehr als die Hälfte aller Deutschen zu dick.
Quellen: Deloitte 2017, Robert-Koch-Institut

Gesunde Ernährung: Oft bleibt es beim Vorsatz

W&B/Philipp Nemenz

Viele Zivilisationsleiden ließen sich vermeiden

Zahlreiche Studien legen nahe, dass un­sere Gesundheit etwa zur Hälfte vom Lebensstil abhängt. Dessen Umstellung bringt häufig sogar dann etwas, wenn jemand bereits krank ist. "Mit Lebensstilveränderungen, wie etwa mehr ­Bewegung, würden manche Bluthochdruck-Patienten ihre Werte so verbessern, dass sie auf Medikamente verzichten könnten – das ist schon lange erwiesen", sagt Weisser, der sich im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga für Vorbeugung einsetzt.

Ähnlich verhält es sich bei Typ-2-Diabetes. Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel begünstigen die Stoffwechselstörung. In einer großen Studie, in die Daten von über 8000 Patienten einflossen, konnten US-Forscher zeigen, dass sich Typ-2-Diabetes durch eine Veränderung des Lebensstils aufhalten lässt. Bei all jenen, die lediglich erste Anzeichen der Stoffwechselstörung aufwiesen, bewirkte die Kombination aus Ernährung und Bewegung sogar mehr als Medikamente.

Millionen Euro ohne Wirkung

Das Potenzial von Präventionsmaßnahmen haben Experten schon lange erkannt. Aber Gesundheitsbewusstsein lässt sich nur schwer vermitteln. Etwas für ihren Körper tun viele Deutsche erst, wenn bereits Beschwerden auftreten – da nützt auch die lauteste Werbetrommel wenig.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) etwa investiert seit Jahren reichlich Geld in entsprechende Informationskampagnen: gegen Tabakkonsum oder Alkoholmissbrauch, für Kondome, Impfungen oder mehr Hygiene. Alleine 2014 wurden 13,5 Millionen Euro für Anzeigen und Plakate ausgegeben.

Zielgruppe nicht erreicht

Was die Wirksamkeit angeht, ist die Bilanz jedoch durchwachsen. Flyer, Plakate und Radiospots zu Gesundheitsthemen lassen sich eben genauso leicht ignorieren wie Werbebotschaften für Autos oder Waschmittel. Die Kampagnen erreichen eher die Menschen, die sich ohnehin bereits um ihre Gesundheit kümmern – andere Zielgruppen dagegen kaum.

Manchmal wird die Botschaft auch gründlich missverstanden. Eine Um­frage unter Jugendlichen belegte, dass sich nicht einmal die Hälfte an Anti-­Tabak-Plakate erinnert. Und rund jeder sechste Befragte hielt die Präventionsmaßnahme der BZgA sogar für Zigarettenwerbung. "Solche Kampagnen können auf bestimmte Themen aufmerksam machen. Sie sind aber höchstens ein erster Schritt zur Verhaltensänderung", sagt Julika Loss, Professorin am Institut für Medizinische Soziologie der Universität Regensburg.

Job-Stress als Entschuldigung

Doch warum fallen diese Verhaltens­änderungen den meisten von uns so schwer? Inzwischen weiß man, dass ein gesunder Lebensstil nicht nur von Wissen und Motivation abhängt – sondern auch stark vom persönlichen Lebensumfeld. Zum Beispiel wenn es um den Vorsatz geht, mehr Sport zu treiben. "Wer etwa in einer schlechten Wohngegend lebt, kann sich abends weniger gut zu einem Spaziergang motivieren – aus Furcht vor Kriminalität", sagt Professor Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.

Auch ein stressiger Job macht etwas aus. So gab in einer Umfrage der Techniker-Krankenkasse die Hälfte der Teilnehmer an, dass ihnen im Alltag häufig die Zeit für gesundes Essen fehle. Vor allem während der Arbeit gebe es ihrer Meinung nach kaum die Möglichkeit, sich ausgewogen zu ernähren.

Kochkurse gegen Currywurst

"Prävention ist eine ziemlich komplexe Aufgabe", sagt Löllgen. Denn egal was sich Experten an Kursen oder Angeboten überlegen: Diese müssen so zugeschnitten sein, dass jeder sie nutzen kann. "Eine alleinerziehende Mutter bräuchte vielleicht ein Sportangebot mit Kinderbetreuung. Kinder aus ärmeren Familien müssten vielleicht direkt in der Schule Bewegungsangebote nutzen können", erklärt Julika Loss.

Expertenmeinungen wie diese finden mittlerweile Gehör in der Politik. 2015 trat das Präventionsgesetz in Kraft. Es soll mehr Menschen in Deutschland ermöglichen, gesund zu leben. Die Krankenkassen sind verpflichtet, über 500 Millionen Euro für Vorbeugungsmaßnahmen auszugeben, mehr als doppelt so viel wie bisher. "Damit hat die Gesundheitsförderung und Prävention eine enorme Aufwertung erfahren", sagt Anke Tempelmann, die zuständige Expertin vom AOK-Bundesverband.

Das Präventionsgesetz

Seit 2015 ist das Präventionsgesetz in Kraft. Neu daran ist die Gesundheitsförderung im sogenannten Lebensumfeld der Bundesbürger, also am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Pflegeeinrichtung.

Nicht nur die Krankenkassen, auch Sozialversicherungsträger, Bund und Länder sowie viele ­andere Akteure, wie etwa Patientenvertreter, sollen gemeinsam Ziele und Strategien zur Umsetzung des Gesetzes entwickeln.

500 Millionen Euro werden jährlich investiert. Mit 300 Millionen Euro fließt die Mehrheit davon in die oben angesprochene Prävention im Lebensumfeld.

Ungenutzte Angebote

Vier Euro pro Versichertem fließen in Maßnahmen, die an den jeweiligen Lebenswelten ansetzen, also beispielsweise in der Firma, im Kindergarten oder im Pflegeheim. Es sollen gesundheitsfördernde Strukturen entstehen, etwa durch Fortbildungen für Kantinenköche. So können in Zukunft vielleicht mehr Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Beschäftigten besser essen.

Mit manchen der Projekte verhält es sich allerdings wie mit guten Vorsätzen – ein Selbstläufer sind sie nicht. Ein Beispiel: das sogenannte Rezept für Bewegung, eine Initiative des Olympischen Sportbunds, der Ärztekammern und der Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Die Idee: Ärzte beraten ihre Patienten, wie sie mit Bewegung etwas für ihre Gesundheit tun können, und stellen eine Art Rezept aus – etwa für ein Herz-Kreislauf-Training. Der Arzt hilft, einen geeigneten Kurs in der Nähe zu finden, und fragt auch nach, ob seine Verschreibung umgesetzt wird.

Beratung auch durch Nicht-Ärzte?

Mittlerweile läuft das Projekt viele Jahre, trotzdem ist es kaum bekannt und wird selten genutzt. Löllgen: "Die ausführliche Beratung der Patienten – dafür fehlt manchen Ärzten einfach die Motivation." Unter anderem, weil diese Leistung oft nicht honoriert wird.

Wie wichtig gerade solche intensiven Gespräche für Lebensstiländerungen sind, legen internationale Studien nahe. Eines der erfolgreichsten Diabetes-Präventionsprogramme der USA zum Beispiel beinhaltete 16 Stunden intensiver Einzelberatung. Nicht immer müsste die Information allein Sache der Ärzte bleiben, sagt Julika Loss und verweist auf wirksame Programme in England. "Apotheker sind dort im Gesundheitssystem ein fester Bestandteil der Präventionsangebote." In Deutschland dagegen werde dieses Pozential häufig noch übersehen.

Strategie der kleinen Schritte

Meist basieren solche Beratungen auf einem Stufenmodell, das fast überall zum Einsatz kommt, wenn Menschen ihr Verhalten ändern wollen. Die These dahinter: Gewohnheiten wie eine Vorliebe für Fast Food lassen sich nicht einfach abschalten, sondern müssen in mehreren Stufen überwunden werden. Sportmediziner Weisser: "Wer zum Beispiel ohnehin weiß, dass er sich mehr bewegen sollte, der muss im nächsten Schritt klären, was ihn davon abhält. Wer nicht gerne joggt, kann sich eine andere Art der Bewegung vornehmen." Regelmäßige Spaziergänge etwa.

Ein weiterer Tipp: sich mit anderen zusammentun, sich zum Sport verabreden. Man bleibt eher dabei, motiviert sich gegenseitig, überwindet gemeinsam Rückschläge. Denn diese bleiben in den meisten Fällen nicht aus. Doch das macht nichts: Wir sind alle nicht perfekt. Hauptsache, der Anfang ist gemacht.



Bildnachweis: W&B/Philipp Nemenz

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